Coop senkt Tierwohl – Bauern erbost

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Ein schwarzer Tag für alle Naturafarm-Schweine- und -Kälber-Produzenten: Coop will die Mengen kürzen oder gar ganz streichen. Das Naturafarm-Kalb stirbt, und die CNf-Schweine werden um 30 Prozent reduziert.

«Naturafarm ist unser Bekenntnis zum Tierwohl. Tiere auf Naturafarm-Höfen können sich frei bewegen und nach draussen gehen. Im Stall gibt es separate Bereiche, wo sie fressen, schlafen und spielen können», schreibt Coop auf ihrer Webseite. Naturafarm ist Teil des Coop-Engagements «Taten statt Worte». Das ist nun offenbar Makulatur.

Kahlschlag

Coop offenbart den Produzenten von Kälbern und Schweinen im Kanal Naturafarm (CNf) per Brief eine Hiobsbotschaft: Bis Ende 2019 wird das Naturafarm-Label bei den Kälbern eingestellt. Und bis Ende 2019 soll ebenfalls die Menge der CNf-Schweine um 30% reduziert werden, das ist deutlich mehr als die einst angekündigten 13%. Coop-Sprecher Urs Meier begründet den Entscheid mit dem sinkenden Kalb- und Schweinefleischkonsum und sieht das Problem zudem im grossen Labelfleisch-Angebot und der Nachfrage, die sich schwächer entwickelt habe als erwartet.

CNf-Vermittler sprachlos

Statt Naturafarm-Kalbfleisch will sich Coop ab 2020 auf Natura-Veal-Kalbfleisch aus Mutterkuhhaltung konzentrieren. Dieses Label ist eine geschützte Marke von Mutterkuh Schweiz. CNf-Vermittler und Inhaber der Gefu Swisskalb AG, Jörg Oberle, ist immer noch sprachlos: «Wir liefern zwei Drittel der Naturafarm-Kälber. Ich weiss noch gar nicht, was ich meinen Produzenten, die gebaut haben, sagen soll.»

Laut dem Brief wird Coop den Gesundheitstränkerzuschlag bis Mitte Jahr von 75 auf 50 Franken senken, dann ganz abschaffen. Per 1. Juni 2019 soll  die Menge bereits halbiert werden.  Die Reduktion der Mengen bzw. das Umlagern in andere Labelkanäle oder in den QM-Bereich überlässt Coop den Händlern.

Acht Millionen

Noch heftiger trifft es die Naturafarm-Schweinefleisch-Produzenten. «Es geht hier um rund acht Millionen Franken Ertrag allein bei den Naturafarm-Produzenten», rechnet Suisseporcs-Präsident Meinrad Pfister vor. Er ist alles andere als begeistert von dieser Entscheidung von Coop. «Nun stellen wir die partnerschaftliche Zusammenarbeit infrage», so Pfister weiter. So wird bei den CNf-Schweinen nicht nur die Abnahmemenge reduziert, sondern auch die Prämie für die Mäster.

Sie soll laut dem Informationsschreiben ab Ende 2019 noch zwischen 20 und 50 Rappen liegen. Zurzeit sind es fix 50 Rappen. Aber Pfister will nicht kampflos aufgeben: «Eines ist klar: Diese sehr bittere Pille werden wir auf keinen Fall einfach schlucken.» Für Produzenten stellt sich nun die Frage: Ist das der Anfang vom Ende der allein auf Tierwohl ausgerichteten Labels?

Tiefere Standards

In der Mitteilung an die Produzenten schreibt Coop: «Ab 1.1.2019 gelten im Programm Naturafarm Porc betreffend Platzverhältnissen grundsätzlich die Anforderungen gemäss den aktuell geltenden BTS- und Raus-Vorschriften.» Diese vom Staat festgelegten Vorschriften an die Platzverhältnisse sind tiefer als die zurzeit geltenden Mindestmasse an die Stallungen für Naturafarm-Schweine-Produzenten. Die Kontrolle durch den Tierschutz und  die anderen Punkte bleiben gleich.

Bauernverband empört

Für den Schweizer Bauernverband (SBV), Suisseporcs und den Schweizer Kälbermäster-Verband sind diese Pläne unverständlich. Sie protestieren in einer Mitteilung heftig und sprechen von einem Kahlschlag: «Das ist ein Rückschritt für das Tierwohl in der Schweizer Landwirtschaft und ein sehr grosses Problem für die Bauernfamilien, die entsprechende Investitionen getätigt haben.» Es sei  die zweite Hiobsbotschaft, nachdem bereits die Migros ab 2019 keine Raus-Prämie für Schlachtkälber mehr bezahle. Die Produzenten fordern von den Detailhändlern, auf die «unverständlichen» Entscheide zurückzukommen.

«Es stellt sich in Anbetracht der unbefriedigenden Verkaufszahlen beim Labelfleisch auch die Frage, ob es sich bei diesen Aussagen nur um Lippenbekenntnisse handelt», hält der SBV. «Entscheidet am Schluss beim Einkauf doch nur der Preis, wieviel Tierwohl im Einkaufskorb landet», fragt sich der Bauernverband.

 

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